Kinder? Nein, danke
PR dla Zagranicy
Joachim Ciecierski
15.03.2012 11:29
Das Wochenmagazin "Wprost" berichtet: Die Hälfte der Polen zwischen 20 und 39 Jahren plant in den kommenden drei Jahren keinen Nachwuchs.
WPROST: Kinder? Nein, danke
Weitere Hiobsbotschaft für die polnische Demographie. Wenn Kinder die Zukunft der Nation sind, dann haben wir allen Grund zur Beunruhigung, lesen wir in der aktuellen Ausgabe der Wprost. Das jedenfalls, so das Blatt, geht aus einer noch nicht veröffentlichten Studie des Instituts für Statistik und Demographie der Haupthandelshochschule SGH hervor.
In der Untersuchung gibt über die Hälfte der Polen zwischen 20 und 39 Jahren an, in den kommenden drei Jahren keinen Nachwuchs zu planen. In Polen herrscht schon seit 1989 ein Geburtentief, während der letzten 20 Jahre ist die Zahl der Geburten also niedriger gewesen, als die Zahl von Todesfällen. 2010 lag die Geburtenrate bei nur 1,4. Was bedeutet das? Ideal wäre es, wenn auf alle 100 Frauen zwischen 15 und 49 Jahren 210-215 Kinder fallen würden. Und wie ist es jetzt? Jetzt beträgt diese Zahl nur 138 Kinder, also weitaus zu wenig, um mit Gelassenheit in die Zukunft zu schauen, so Wprost.
POLITYKA: Deregulieren oder nicht deregulieren?
Titelthema in der Wochenzeitschrift Polityka ist die Aufhebung von Zugangsbeschränkungen zu Berufen, die sich Justizminister Jaroslaw Gowin vorgenommen hat. Das Magazin stellt die Frage, ob dieser Plan überhaupt sinnvoll ist. Zwar, gibt die Polityka zu, belegt Polen unter den EU-Staaten tatsächlich einen der ersten Plätze, wenn es um die Zahl der Berufe geht, zu denen der Zugang beschränkt ist. Geht es nach Minister Gowin, gibt es in Polen genau 380 solcher Berufe. Zum Vergleich: In Litauen ist der Zugang zu 67, in Schweden zu 91 und in Deutschland zu 152 Berufen eingeschränkt. Doch eine genauere Analyse der entsprechenden Dokumente zeigt, so Polityka, dass die dramatisch klingenden 380 überregulierten Berufe in Wahrheit absoluter Humbug ist. Es würde reichen, wenn man den Arztberuf als einen Beruf zählen würde, statt ihn in 46 Spezialisierungen zu untergliedern. Dann würde Polen den gleichen Platz im Ranking belegen, wie Tschechien.
Ein anderer neben dem Gesundheitswesen sehr weit ausgebauter Industriezweig in Polen ist der Bergbau. Nach Angaben der Bergbaubehörde gibt es in Polen fast 100 regulierte Berufe in dieser Branche und in dem mit ihr verbundenen Rettungsdienst. Aus Sicherheitsgründen wird aber niemand vernünftiges den Zugang zu diesen Berufen vereinfachen wollen. Dabei gibt es Staaten in der EU, die nicht einmal eine einzige Grube ihr eigen nennen. Natürlich gibt es in solchen Staaten auch gleich einige zig regulierte Berufe weniger. Ähnliches gilt auch für die Seefahrt.
Im Endeffekt, so die Polityka, kann sich leicht herausstellen, dass Polen, wenn es um den Zugang zu Berufen geht, im Vergleich zu anderen Staaten auf einem ähnlichen Entwicklungsniveau und einer ähnlichen Wirtschaft weder übermäßig reguliert, noch übermäßig unterreguliert ist.
Autor: Adam de Nisau
Redaktion: Joachim Ciecierski
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