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Am Ende verliert Griechenland die Würde

PR dla Zagranicy
Joachim Ciecierski 22.02.2012 13:05
Ob Hellas wieder auferstehen wird, erscheint politischen Beobachtern in Polen zweifelhaft.

GAZETA WYBORCZA – Um was geht es Vizepremier Pawlak?

In ihrem Kommentar auf Seite zwei kritisiert die Zeitung Gazeta Wyborcza den Vizepremier Waldemar Pawlak von der Bauernpartei PSL: „Pawlak kann kaum farbloser sein als in den letzten vier Jahren der Regierungskoalition. Denn er kämpft in Hinblick auf die Rentenreform an zwei Fronten gleichzeitig.“ Pawlak, der PSL-Chef und Koalitionspartner von Donald Tusk, verfolge eine oppositionelle Strategie, um seinen Wählern zu gefallen, urteilt Wyborcza: „Er will das Reformpapier, das die Tusk-Partei PO vorbereitet hat, einfach nicht unterschreiben.“

Das Problem: Pawlak stecke in einem Dilemma, denn er müsse einerseits die politische Einheit mit Tusk erhalten und dem Reformprogramm zustimmen, aber es andererseits verhindern, um nicht die Gunst seiner Wähler zu verlieren. Pawlak vertritt mit seiner Bauernpartei nämlich die Interessen der Landwirte, die mit der Rentenreform ihre Privilegien verlieren würden. Dass die PSL die Koalition auflösen will, glaubt Gazeta Wyborcza indes nicht: „Aber es ist wahrscheinlich, dass Pawlak die Reform erst nach wesentlichen Veränderungen unterschreiben wird.“ Damit sei der Bestand der Koalition zumindest stark gefährdet, schließt Gazeta Wyborcza.


RZECZPOSPOLITA – Am Ende verliert Griechenland die Würde

Die Zeitung Rzeczpospolita widmet sich hingegen der Außenpolitik. Im Kommentar kommen die Sorgen zur Abhängigkeit Athens von der EU zum Ausdruck. So habe Brüssel den Griechen einen Kompromiss abgerungen und damit quasi die Regierung des Landes übernommen. Rzeczpospolita schreibt: „Der Verkauf der Souveränität ist jedoch nicht das schlimmste. Denn es handelt sich schließlich nur um einen zeitweiligen Verlust der Eigenständigkeit – solange bis Griechenland wieder auf eigenen Beinen steht.“

Doch eine Wiederauferstehung Griechenlands bezweifelt Rzeczpospolita:
„Die volkswirtschaftlichen Grundsätze, die die Verminderung von Staatsschulden und Defiziten betreffen, sind Utopien. Sie können höchstens dann realisiert werden, wenn Griechenland sein Wirtschaftssystem sowie seinen Verwaltungs- und Politapparat umpflügt. Jedoch wird es dazu nicht kommen.“

Zwar zahle die EU Milliarden an Griechenland, doch die Sanierung des Staates werde wohl nicht eintreten, glaubt die Rzeczpospolita: „Die Griechen werden ihre Würde und ihre Souveränität verlieren ohne eine Chance auf Reformen. Das ist ein schlechter Deal, aber man muss anerkennen, dass das alles auf ihren eigenen Wunsch passiert.“

POLITYKA – Der dramatisch-psychologische Chor der Experten

Die Wochenzeitschrift Polityka beschäftigt sich in ihrem Kommentar mit der Macht der Medien: „Auf TV-Bildschirmen, auf Tablett-PCs und in Internetforen“, so schreibt Polityka, „sehen wir immer das gleiche Drama. Gewöhnlich braucht es nur wenige Tage bis sich die Medien von einem Schicksal auf das nächste stürzen.“ Dabei handle es sich vor allem um dramatische Todesfälle, menschliche Tragödien und alptraumhafte Unfälle.

Zuletzt berichtete die Medienwelt immer wieder über den Fall eines kleinen polnischen Mädchens: Die sechs Monate alte Madzia. Sie soll bei einem tragischen Unfall durch ihre leichtsinnige Mutter ums Leben gekommen sein. „Soll sein“ – genau hier liege nämlich die Schwachstelle bei vielen Journalisten. Denn diese seien es, die mit vorschnellen Spekulationen reagieren und kommentieren, ohne die genauen Hintergründe des Falls zu kennen. Zudem hätte der Fall Madzia gezeigt, wie sich eine Schar von Psychologen, Medizinern und sogenannten Experten zu Wort melde, um sich selbst zu profilieren. Mehr Ethik und Moral, ganz im Sinne der Opfer und Betroffenen, sei wünschenswert – sowohl unter Journalisten als auch unter Psychologen und Experten, so die Zeitschrift Polityka.

Autor: Holger Lühmann

Redaktion: Joachim Ciecierski

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