Rzeczpospolita: Der Deutsche, der kann´s!
„Der Deutsche, der kann´s. Und das nicht nur in der Wirtschaft, im Fußball und beim Autobahnbau, nein, die Deutschen wissen auch, wie man mit Politikern fertig wird“, kommentiert der Publizist der Rzeczpospolita Jerzy Haszczynski die Nominierung Joachim Gaucks für das Amt des Bundespräsidenten.
Zuerst, lesen wir in dem Kommentar, hätten die Deutschen überrascht, als sie zeigten, dass sie einen Politiker, der wochenlang in der Boulevardpresse über seinen Hang zu Korruption lesen musste, nicht als ihren Bundespräsidenten dulden werden. Und nun sei Wulff nicht mehr Präsident . Viele Völker beneiden Deutschland nun, weil sie selbst auch täglich Nachrichten über ihre oft viel stärker als Wulff verwickelten Politiker in den Zeitungen lesen. Nun überraschen die Deutschen ein zweites Mal mit der Unterstützung von vier Parteien für Joachim Gauck als neuen Präsidenten. Auch Angela Merkels Gruppierung, die bei den letzten Wahlen noch gegen Gauck und für Wulff gestimmt hat, steht nun hinter dem ehemaligen Oppositionellen und langjährigen Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen, betont Haszczynski.
Besonders überraschend für Polen sei allerdings, dass die Deutschen jemanden zum Präsidenten wählen wollen, der die Lebensläufe von Menschen durchleuchtet hat. Der gesagt hat, dass die Einschränkung des Zugangs zu den Stasi-Archiven nicht den Opfern, sondern den Tätern dient. Und der als Chef der Stasi-Behörde dafür kämpfte, dass die DDR und ihr rechtloses System nicht in Vergessenheit geraten. An dieser Haltung der deutschen Politiker sollte man sich auch Polen ein Beispiel nehmen, so Jerzy Haszczynski in der Rzeczpospolita.
Dziennik/Gazeta Prawna: Gebildet, wie ein Pole
Polen kann stolz sein auf sein Bildungssystem, schreibt Dziennik/Gazeta Prawna. Unter den Staaten der OECD kann das Land auf einen der niedrigsten Anteile von Bürgern verweisen, die die Sekundärstufe nicht abgeschlossen haben. In der Altersgruppe 15-34 Jahre haben nur sieben Prozent der Polen keinen Sekundärstufenabschluss, der Durchschnitt unter den OECD-Staaten liegt bei 20 Prozent. In der Altersgruppe 15-64 liegt dieser Anteil bei zwölf Prozent, bei einem OECD-Durchschnitt von 30 Prozent. Ein bisschen besser als Polen fallen in dem aktuellen Ranking nur Tschechien und die Slowakei aus und außerhalb Europas noch Südkorea.
Geht es nach der ehemaligen Bildungsministerin Krystyna Lybacka, hängt das gute Ergebnis Polens mit den Eigenheiten des polnischen Bildungssystems zusammen: „Im Gegensatz zu den Modellen, die in anderen europäischen Ländern funktionieren, kann man in Polen die Berufsausbildung mit der Allgemeinbildung problemlos verbinden. Die so genannten Technika zum Beispiel, also die technischen Sekundärschulen, enden so genauso mit der Mittleren Reife, wie die Lyzeen“, so Lybacka. Dieses System, schreibt Dziennik, ist so gestaltet, dass Kinder aus ärmeren und weniger gebildeten Familien die Chance haben, eine Berufsausbildung zu erhalten und gleichzeitig auch genug Wissen erwerben können, um ein Studium zu beginnen, so Dziennik über die Vorteile des polnischen Bildungssystems.
Autor: Adam de Nisau
Redaktion: Filip Zuchowski