Gazeta Wyborcza: In Polen schrumpft die Zahl der Armen am schnellsten in Europa
Über Armut und Polen war in der letzten Zeit immer wieder zu lesen. Und immer wieder ging es darum, dass die Zahl der von Armut betroffenen Menschen hierzulande wie in ganz Ost- und Ostmitteleuropa auf einem hohen Niveau ist und durch die andauernde Wirtschaftskrise sogar steigt. Doch im Zusammenhang mit der Armut und Armutsgefährdung kann ausnahmsweise etwas Positives berichtet werden, wie die linksliberale Zeitung „Gazeta Wyborcza“ heute titelt. „Bieda ciszej piszczy“ betitelt Marcin Bojanowski den Aufmacher, der zu Deutsch in etwa heißt: Armut schreit leiser. Der Titel ist eine Anspielung auf die Daten, die der Autor präsentiert. Denn laut neusten Vergleichsberechnungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat schrumpft die Zahl der Menschen, die in Polen in Armut leben am stärksten im europäischen Vergleich.
In Polen leben nach Eurostat-Berechnungen fünf Millionen Menschen in Armut. Bei den rund 38 Millionen Einwohnern zwischen Oder und Bug sind das 14,2 Prozent. Doch noch vor sechs Jahren waren laut Eurostat-Angaben 13 Millionen arm, damit 34 Prozent der Bevölkerung. Als Gründe für die positive Entwicklung werden drei Faktoren genannt: Die schrumpfende Arbeitslosigkeit von 18 Prozent vor sechs Jahren auf aktuell rund zehn Prozent. Zudem habe sich der Mindestlohn von 850 Zloty 2006 auf aktuell 1500 Zloty erhöht. Und auch die Zuwendungen aus EU-Töpfen hätten ihren Beitrag an der insgesamt positiven Entwicklung.
Ein Grund für Optimismus möchte man meinen. Doch der Autor Marcin Bojanowski merkt an, die Statistik sei beschönigt. Etwa, da im Untersuchungszeitraum, also den sechs Jahren rund zwei Millionen Polen auf Jobsuche ins Ausland ausgewandert seien. Zudem seien die befragten Menschen oft nicht bereit ihre tatsächliche finanzielle Situation offen zu legen, etwa aus Schamgefühl. Zudem seien die 14,2 Prozent in Armut lebenden Polen noch immer über dem EU-Schnitt. Denn in der EU leben im Schnitt acht Prozent der Einwohner in der nach Eurostat definierten Armut.
Rzeczpospolita: Skandal in Warschaus Verwaltung? PO-Parteigänger werden großzügig bezahlt
Eigentlich ist es nichts Neues, dass Angehörige und Beamte der regierenden Partei besser gestellt werden als die der Opposition oder gar Parteilose. Und dennoch hat das den Beigeschmack der parteiinternen Vetternwirtschaft und ist schädlich für das Demokratieverständnis. Zumindest in der Praxis.
Einen solchen faden Beigeschmack hat auch die von der konservativen Zeitung „Rzeczpospolita“ aufgedeckte Praxis der Beamtenbesoldung in der Hauptstadt Warschau. Der Autor Robert Biskupski beschreibt anhand zugespielter Akten die Praxis in der Bezahlung der Stadtteilbürgermeister in Warschau. Seinen Recherchen zufolge entscheidet nicht die Kompetenz oder der effektive Umgang mit öffentlichen Geldern, sondern die Zugehörigkeit zur Regierungspartei PO, also auch der im Sejm regierenden Bürgerplattform.
In Warschau ist bekanntlich Hanna Gronkiewicz-Waltz, ebenfalls PO-Politikerin, die Stadtpräsidentin. Sie soll Prämien an die 18 Bezirksbürgermeister – von denen 14 der PO angehören – nicht nach inhaltlichen Kriterien, sondern eben nach Parteizugehörigkeit verteilt haben. Etwa im Fall des in Praga amtierenden Bürgermeisters Piotr Zalewski, der ganze 36.000 Zloty als Prämie erhielt. Sein Amtskollege im Stadtteil Ursynow jedoch nur die Hälfte davon – und dass, obwohl Letzterer mit den öffentlichen Geldern effizienter umgegangen ist als Zalewski. Pikant dabei: Gronkiewicz-Waltz lässt die Akten unter Verschluss.
Entsprechend scharf kritisiert Publizist Piotr Skwiecinski ebenfalls in der „Rzeczpospolita“ diese Praxis der „Politisierung der kommunalen Verwaltungen“. Noch halte der Wähler still, auch wenn selbst in Parteikreisen kritisierte Politiker, wie der Prager-Stadtteilbürgermeister Zalewski, für seine uneffektive Arbeit noch zusätzlich ausgezeichnet werden. Doch spätestens, wenn die Wähler alle dieser Praktiken zusammenzählen und wieder an die Urne treten, werde die PO eine „böse Überraschung“ erwarten.
Rzeczpospolita: Polens Fußballer taugen nicht als Werbeträger
Über polnischen Fußball ist derzeit überall in den Gazetten des Landes zu lesen. Kein Wunder, es sind nur vier Monate bis zur Fußball-Europameisterschaft im Land. Da blickt die Zeitung „Rzeczpospolita“ aus einer Perspektive, die im Fußball immer wichtiger ist – und ihn zuweilen zu vereinnahmen versucht: Fußball und die Kicker als Werbeträger. Von den Millionen, die Kicker-Stars wie David Beckham, mit Werbeeinnahmen verdienen, können polnische Fußballer nur träumen.
Der Autor Michal Kolodziejczyk schreibt, es sei kein Wunder, dass die polnische Mannschaft den Werbemarkt nicht entflammt. Denn das Niveau des Teams aber auch der Wiedererkennungswert der Spieler sei noch nicht hoch genug, um als Werbeikone entsprechende Verträge an Land zu ziehen. Noch immer sind selbst die meisten Nationalkicker Polens nur den eingefleischten Fans bekannt. Ausnahmen seien Robert Lewandowski, Jakub Blaszczykowski und Wojciech Szczesny. Lewandowski etwa ist Stürmer beim Bundesligisten Dortmund – und das recht erfolgreich. Kein Wunder, dass ein Rasierapparat, sowie ein Sportartikelhersteller aber auch eine Brausefirma ihn als Werbeträger verpflichtet haben. Als Werbeträger für eine polnische Discounterkette wird auch während der Europameisterschaft der Nationaltrainer Franciszek Smuda auftreten, ebenfalls eine Ausnahme. Sollte das rot-weiße Team aber eine gute Meisterschaft spielen und weit kommen, so steige der Marktwert der Spieler als künftiger Werbeträger.
Autor Kolodziejczyk konstatiert, bei der Europameisterschaft zähle zwar das sportliche Ergebnis. Doch jedes Tor werde auch in Geld umgerechnet.
Autor: Markus Nowak