Rzeczpospolita: Hoteliers zählen auf Fußballfans
Gestern berichteten wir in der Presseschau über ernüchternde Zahlen in Hinblick auf die anstehende Fußball-Europameisterschaft. Denn Schätzungen zufolge werden nicht eine halbe Million ausländischer Gäste sondern nur 200.000 Fußballfans aus dem Ausland anreisen. Die Laune der Gastgewerbebranche trübt das jedoch nicht und sie wächst und wächst seit Jahren. Als Motor dieses Wachstums erweist sich ausgerechnet die Europameisterschaft, schreibt Adam Wozniak in der Zeitung „Rzeczpospolita“. Denn seit April 2007, also dem Zeitpunkt der Zusage der Fußballmeisterschaft, bis zum Anpfiff der ersten Partie im Juni 2012 sei der Markt um 25 Prozent gewachsen.
600 Hotels wurden in den letzten fünf Jahren fertiggestellt, rechnet der Autor vor. Doch die größere Hotelzahl und das damit verbundene Wachstum an Übernachtungen seien auch dem allgemeinen Attraktivitätsgewinn Polens geschuldet. Denn die Übernachtungszahlen steigen stetig an – und auch inländische Gäste, also polnische Touristen, übernachten immer öfter in Hotels und bringen somit Stabilität in die polnische Hotelbranche. Der Autor rechnet vor, dass es gerade noch Hotelketten sind, die in Polen zu expandieren versuchen. Denn den Markt dominieren mit 87 Prozent unabhängige und kleinere Hotels. Doch nur 13 Prozent der Betten gehören zu großen Ketten, die aber gerne von Ausländern gebucht werden.
Eine Zahl kann man sich zudem merken: 65,6 Euro. Denn so hoch war der durchschnittliche Zimmerpreis in einem polnischen Hotel im Dezember. In Deutschland und Österreich lag er bei 92 Euro und in Frankreich bei 156,2 Euro! Bleibt abzuwarten, wie sich die noch günstigen 65,6 Euro pro Nacht im Hotel im Zuge der Fußball-Europameisterschaft entwickeln.
Gazeta Wyborcza: „Nationales Chaos“ um das Nationalstadion
Wir bleiben beim Fußball und einem Pressebericht, der auch die Europameisterschaft im weitesten Sinn betrifft. Wenn in Polen über Fußball in den Zeitungen zu lesen ist und gerade jetzt nur wenige Monate vor der Europameisterschaft, dann verheißt das oft nichts Gutes. So auch diesmal.
Fast alle polnischen Medien haben sich in den letzten Tagen über das Hin- und Her über ein Fußballmatch auf dem neuen Warschauer Nationalstadion echauffiert. Zwar wurde das modernste Stadion Polens bereits im Dezember vom Bauherrn übergeben, doch ein Fußballspiel fand noch nicht statt. Geplant war daher am Wochenende das Finale des „Superpuchar Ekstraklasy“, also dem Superpokal der polnischen Fußballliga, auf dem Stadion an der Weichsel auszurichten. Doch Warschaus Stadtverwaltung stellt sich quer, um eine Erlaubnis zu geben. Es ist nicht nur so, dass das Stadion an vielen Stellen wie eine Baustelle wirkt, da Kabel hier, oder Schrauben da noch hervorschauen. Vielmehr liegt es daran, das den Liga-Superpokal zwei polnische Traditionsklubs bestreiten sollen, die als Erzrivalen gelten und daher mit Ausschreitung der Fans zu rechnen ist. Der polnische Meister „Wisla Krakow“ und der Pokalgewinner „Legia Warszawa“ sollen aufeinander treffen.
Pikant wird die Angelegenheit, wie die Zeitung „Gazeta Wyborcza“ in dem als „Nationalchaos“ als Seitenhieb auf den Namen des Nationalstadions betitelten Text schreibt, da die UEFA als Ausrichter der Fußballeuropameisterschaft in allen Spielstätten mindestens ein Länderspiel stattfinden lassen möchte. Und der polnische Fußballbund PZPN hat noch Ende Februar ein Freundschaftsspiel mit Portugal anvisiert – eben im vollendet, unvollendeten Nationalstadion.
Rzeczpospolita: Nutzung des Internets selbst bei Kindergartenkindern steigt rapide
Die Zeitung „Rzeczpospolita“ titelt heute ausnahmsweise nicht mit einem politischen Thema, sondern mit einem gesellschaftlichen Phänomen in Polen: Die Zahl der Kinder mit Zugang zum Internet steigt gewaltig an. „Przedszkolak w sieci“, zu Deutsch: Das Kindergartenkind im Internet, so lautet der Text von Kamila Baranowska, in dem sie nicht nur die Zahlen einer neuen Studie zum Internetzugang bei Kindern auswertet, sondern auch auf die Gefahren der Internetnutzung bei den Kleinsten hinweist. Während die Internetnutzung in Polen im Allgemeinen noch nicht auf westeuropäischen Niveau ist, das Nutzungsverhalten von Schulkindern ist längst über dem westeuropäischen Standard angekommen. Denn etwa die Hälfte der Sieben- bis 14.-Jährigen nutzt das Internet tagtäglich. Und das nicht genug: Selbst jedes Dritte Kind im Kindergartenalter, also von vier bis sechs Jahren, loggt sich mindestens einmal in der Woche in das weltweite Datennetz ein.
Die eine Seite der Medaille sei, das die heutigen Kinder gar nicht mehr wissen, wie sie das Surfen im Internet gelernt haben. „Der Zugang zum Internet ist für die Kinder so natürlich, wie das Licht anzuknipsen“, zitiert die Autorin Kamila Baranowska einen Experten aus der Branche. Doch die zweite Seite der Medaille ist die in Polen noch unzureichende Aufsicht der Eltern über die Internetnutzung ihres Nachwuchses. So würden zwar, der Studie zufolge, alle Eltern über die Gefahren, die im Internet lauern Bescheid wissen. Doch nur ein Drittel der Erziehungsberechtigten surft zusammen mit ihren Sprösslingen im Datennetz. Besonders gefährlich daran sei, dass bereits Kinder Erotik- und Pornoseiten oder andere Inhalt, auf die sie nicht vorbereitet sind, im virtuellen Netz ansteuern.
Autor: Markus Nowak
Redaktion: Joachim Ciecierski