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Politiker nimmt Flüchtlinge bei sich zu Hause auf

PR dla Zagranicy
Joachim Ciecierski 09.10.2018 10:29
Die Familie aus Tadschikistan hat soeben ein Kind bekommen – ein Mädchen, das der Politiker und seine Gattin als ihre „neunte Enkelin” bezeichnen.

SUPER EXPRESS: Politiker nimmt Flüchtlinge bei sich zu Hause auf

Die heftigen Diskussionen rund um die Migrationskrise haben in den letzten Monaten in Polen nachgelassen. Mehr oder weniger ist die Lage momentan klar: die meisten Polen sprechen sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus und werfen den Befürwortern dieser Idee vor, sie würden sich in ihren Erklärungen einzig und allein auf die verbale Sphäre beschränken, leisteten aber persönlich keine Hilfe. Eine Ausnahme sei in diesem Kontext sicherlich der Abgeordnete der Oppositionspartei Bürgerplattform (PO) Marcin Święcicki, berichtet das Blatt Super Express. Der Politiker habe sich vor mehreren Monaten dazu entschlossen, eine Familie aus dem Tadschikistan im eigenen Haus aufzunehmen.

Die Familie habe soeben ein Kind bekommen – ein Mädchen, das der Politiker und seine Gattin als ihre „neunte Enkelin” bezeichnen. In einem Gespräch mit den Medien weist Marcin Święcicki darauf hin, dass das Leben unter einem Dach mit einem muslimischen Ehepaar keinerlei Schwierigkeiten bereiten würde. Der einzige Unterschied bestehe darin, dass die Gäste kein Schweinefleisch essen, weil es ihnen die Religion verbiete.

Auch die Tadschiken fühlten sich hierzulande wohl, schreibt das Blatt weiter. Die Menschen in Polen seien hilfsbereit. Im öffentlichen Verkehr oder auf der Straße würden ihnen völlig unbekannte Menschen Hilfe leisten, sie hätten auch zahlreiche Kleidungsstücke geschenkt bekommen. Sowas wäre im Tadschikistan unmöglich, sagen die Flüchtlinge im Gespräch mit Super Express. Das Blatt überlegt am Rande, ob andere Oppositionspolitiker dem Beispiel ihres Parteikollegen folgen werden.

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Große Verluste für die Stadtkasse

Von einem kleinen politisch-sozialen Erfolg berichtet also die Tageszeitung Super Express, das Blatt Dziennik/Gazeta Prawna schreibt indes von einem enormen Verlust für die Warschauer Stadtkasse. Es soll sich um über 21 Milliarden Zloty handeln, lesen wir in dem Blatt. Darüber informierte bei einer Pressekonferenz Patryk Jaki, Justizvizeminister, der sich zugleich um den Posten des Warschauer Stadtpräsidenten bemüht. Geht es nach Jaki wurden bis zum Jahr 2016 in der polnischen Hauptstadt über 4 Tausende Entscheidungen getroffen, die sich auf die Reprivatisierung zwangsverstaatlichter Immobilien beziehen. Die meisten hat die amtierende Stadtpräsidentin Hanna Gronkiewicz-Waltz getroffen. Den Schaden für die Stadtkasse im Zusammenhang mit den Unregelmäßigkeiten bei der Reprivatisierung berechnete Patryk Jaki eben auf über 21 Milliarden Zloty (5 Mrd. Euro).

Wie das Blatt berichtet, nahm Hanna Gronkiewicz-Waltz Stellung zu dem Bericht und zu den im Dokument aufgelisteten Zahlen. Die Zahl von Patryk Jaki betrage heute Null, schrieb Waltz, denn so viele Reprivatisierungsgesetze habe der Politiker trotz Ankündigungen vorbereitet und angenommen.

Die Reprivatisierung bleibt seit Jahren ein heikles Thema in der Hauptstadt. Der jetzigen Verwaltung werden enorme Vernachlässigungen bei dem Reprivatisierungsprozess vorgeworfen. Im Jahr 1945 wurden die Warschauer Grundstücke aufgrund des so genannten „Bierut-Dekrets“ über Eigentum und Nutzung von Grundstücken auf dem Gebiet der Hauptstadt Warschau vom Staat übernommen. Bis heute streben viele Alteigentümer oder deren Rechtsnachfolger eine Rückgabe oder eine Entschädigung für die Verstaatlichung ihrer Immobilien an.

Jakub Kukla

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