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Präsident aller Bürger, nicht nur einer Partei

PR dla Zagranicy
Joachim Ciecierski 10.10.2017 09:48
Staatspräsident Andrzej Duda nimmt Stellung zu den politischen Spannungen.
Foto: Pexels.com

DO RZECZY: Präsident aller Bürger, nicht nur einer Partei

In einem Gespräch mit der Wochenzeitschrift Do Rzeczy nimmt Präsident Andrzej Duda Stellung zu den politischen Spannungen während der letzten Monate, nachdem er sein Veto gegen zwei Vorschläge der Justizreform eingelegt hatte. Einige Politiker des Regierungslagers haben den Präsidenten scharf kritisiert, er habe mit seiner Entscheidung eine der wichtigsten Reformen beeinträchtigt und wolle teilweise die Interessen der Richter verfolgen. Der Präsident müsse einfach die Rolle eines Schiedsrichters spielen, antwortet daraufhin das Staatsoberhaupt. Er könne sich genau an die vielen Vorwürfe erinnern, die man in Bezug auf seine Vorgänger formuliert habe. Bronisław Komorowski habe man vorgeworfen, er wäre der Präsident einer Partei. Er dagegen, Andrzej Duda, wolle dem Volk dienen, allen Bürgern, ganz gleich, welche Weltanschauung und politische Ansichten sie vertreten.

Andrzej Duda stellte vor wenigen Wochen eigene Gesetzesentwürfe zur Reform des Landesrichterrates sowie des Obersten Gerichtshofes vor. Davor hat das polnische Staatsoberhaupt überraschend für die Regierenden gegen die geplanten Justizreformen ein Veto eingelegt. In einer Ansprache bezeichnete Andrzej Duda die Reformpläne als eine Bedrohung für die Unabhängigkeit der polnischen Justiz.

RZECZPOSPOLITA: Schwindende Zustimmung

Die Tageszeitung Rzeczpospolita veröffentlich die Ergebnisse einer neuesten Meinungsumfrage. Der Studie, die vom Meinungsforschungsinstitut Ibris in Auftrag der Zeitung durchgeführt wurde, ist zu entnehmen, dass die Zustimmung für die Politik des Präsidenten und der Premierministerin in den letzten Wochen nachgelassen hatte.

Im Falle des Präsidenten handle es sich wahrscheinlich um die wochenlange Diskussion über die Reform des Justizwesens, die zu erhebliche Spannungen zwischen Andrzej Duda und dem Regierungslager geführt hatte. Die Unzufriedenheit mit der Aktivität der Regierungschefin resultiere höchstwahrscheinlich aus ihrer Abwesenheit bei den wichtigsten politischen Diskussionen, die momentan in Polen geführt werden, kommentiert die Ergebnisse der Studie Marcin Duma, Chef des Meinungsforschungsinstituts Ibris.

NEWSWEEK: Brüchige Partnerschaften

Seit über einem Vierteljahrhundert beschäftigt sich der Psychologe, Professor Bogdan Wojciszke mit dem Familienleben der Polen. Auch nach einer solch langen Zeit sei er aber nicht im Stande, ein Rezept für eine gelungene Partnerschaft vorzustellen. Vielmehr sollte man einige Phänomene des Zusammenlebens verstehen, und auf sie vorbereitet sein, erklärt der Wissenschaftler in einem Gespräch mit der Wochenzeitschrift Newsweek. Zum Beispiel sollte man die Tatsache akzeptieren, dass die Leidenschaft zwischen zwei Menschen sehr schnell auftaucht, nach einigen Jahren aber abstirbt. Man solle dafür weder sich selbst noch den Partner schuldig machen. Es sei einfach eine natürliche Entwicklung. Die Freundschaft dagegen könne das ganze Leben lang andauern, wenn man wisse, wie man sich um sie kümmern soll.

In den letzten Jahren stieg die Zahl der Scheidungen in Polen – jede dritte Ehe an der Weichsel zerfällt, stellt Newsweek fest. Einen Grund für diese Entwicklung sieht Professor Wojciszke in dem individualistischen Lebensstil der Polen. Einst lebten die Menschen in größeren Familien. Solch ein Umfeld sei ein stabilisierender Faktor, meint der Psychologe. Tauchen Probleme auf, übt die Familie oft Druck auf die Ehepartner, damit sie nicht sofort aufgeben, sondern um ihre Beziehung kämpfen.

Außerdem spielen die Finanzen eine Rolle, führt Professor Wojciszke fort. Noch vor fünfzig Jahren waren die meisten Polen arm. Sie haben schlecht verdient, gemeinsam seien sie aber über die Runden gekommen. Mit der Zeit seien die Polen aber immer wohlhabender geworden. Die Menschen in Polen seien oft im Stande, und dies beziehe sich besonders auf die Frauen, allein für ihren Unterhalt zu sorgen. Wenn also eine ausgebildete Frau finanziell selbstständig ist, wieso sollte sie mit einem Mann leben, mit dem sie nicht glücklich ist, fragt Professor Bogdan Wojciszke in der Wochenzeitschrift Newsweek.

Jakub Kukla

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