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Polens Regierungschef spricht von "jüdischen Tätern" im Holocaust

PR dla Zagranicy
Joachim Ciecierski 18.02.2018 07:36
Seine Aussage hat Unverständnis und Empörung ausgelöst.
Mateusz MorawieckiMateusz Morawieckicreativecommons.org/Photo: Sanskrit Bandit, CC BY-SA 4.0

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz mit einer Aussage über angebliche "jüdische Täter" im Holocaust Unverständnis und Empörung ausgelöst.

Auf die Frage eines israelischen Journalisten, der wissen wollte, ob er nun in Polen wegen des neuen Holcaust-Gesetzes als kriminell angesehen würde, nachdem er berichtet hatte, dass polnische Nachbarn einst seine jüdische Familie bei der Gestapo verraten hätte, antwortete Morawiecki: "Natürlich wird es nicht strafbar und kriminell sein, wenn man sagt, dass es polnische Täter gab, so wie es jüdische Täter gab, so wie es russische Täter gab, so wie es Ukrainer gab, nicht nur deutsche Täter."

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu reagierte prompt. Die Aussage Morawiecks sei empörend, so Netanjahu. Die polnische Regierung sei unfähig, die Geschichte zu verstehen und zeige einen Mangel an Sensibilität für das tragische Schicksal des jüdischen Volkes. Er wolle mit Morawiecki sprechen, kündigte Netanjahu an.

Jair Lapid, Chef der israelischen Oppositionspartei Jesch Atid, forderte den israelischen Botschafter aus Warschau abzuziehen. Die Aussage Morawieckis zeuge von "Antisemitismus der ältesten Sorte". Avi Gabbay von der Arbeiterpartei sagte, Morawiecki höre sich an wie die üblichen Holocaust-Leugner.

Um Polens sogenanntes Holocaust-Gesetz wird international gestritten. Bestraft werden soll künftig, wer "öffentlich und entgegen den Fakten" dem polnischen Volk oder Staat die Verantwortung oder Mitverantwortung für von Nazi-Deutschland begangene Verbrechen zuschreibt.

dpa

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